Wir müssen uns erst einmal erholen und durchatmen.
Zum einen war da Tennis. Tennis in Paris, Roland Garros, am Freitag die Halbfinal-Spiele, im zweiten davon spielte unsere deutsche Tennishoffnung und gewann. Gleichzeitig spielten die deutschen Fußballmänner um die Ehre und der Tenniskommentator sagte, er hoffe, die Zuschauer blieben dem Tennis erhalten. "Fußball wird im Allgemeinen schrecklich überschätzt." Nun, wir werden sehen, denn am nächsten Freitag beginnt die Europameisterschaft. Aber am Sonntag war erst einmal das Tennis-Endspiel und es war spannend und lang und nervenaufreibend. Und dann verlor unsere Tennishoffnung und sein unsympathischer Gegner hielt den Pokal. Ach, wie schade.
Am Sonntag wurde auch gewählt, das neue Europaparlament. Und das war das Andere. Das Ergebnis.
Hier bei uns in der Stadt Hannover wurden die Grünen am stärksten, knapp dahinter (um 1,3 %) liegt die CDU, nochmal dahinter (um 1,5 %) die SPD. Da könnten wir ja ganz zufrieden sein, wenn nicht ... die Nazis hier bei uns in der Stadt Hannover zwanzigtausendneunhundertvierundfünfzig Stimmen bekommen hätten, zwanzigtausendneunhundertvierundfünfzig Stimmen zu viel. Und wenn nicht ... wenn nicht das Gesamtergebnis unseres Landes wäre. Und das der Franzosen. Und das der Niederländer. Und das der Italiener. Welche Fehler hat Europa bei der Aufarbeitung der letzten hundert Jahre Politikgeschichte gemacht, dass diese Nazis wieder so einen Zulauf bekommen?
Irgendwie passte das Wetter am Montag dazu. Es regnete, es wurde kalt, nein, kein Frost, aber gerade mal 14 Grad Celsius am Tag. Die kleinen Meisenkinder saßen aufgeplustert in der Kletterrose unterm Dachüberstand und Igel Isidor stand vor der Tür, verschnupft und mit kleinen Äuglein. Und alle hatten Hunger.
So haben wir sie jetzt, die Schafskälte. Das ist kein Klimawandel, das ist pünktlich wie immer seit ich denken kann. Normal. Einfach normal.