Das Jahr 2024 beginnt.
Hier in Niedersachsen beginnt es mit Hochwasser, das zu uns gekommen ist, seit es am 23sten Dezember des letzten Jahres den ganzen Tag ununterbrochen geregnet/ geschüttet hat und die Flüsse mit dem ganzen Regen der Wochen davor noch höher gestiegen sind. Im Harz sind die Talsperren so voll wie seit Jahrzehnten nicht und die Überläufe lassen Wasser in die Flüsse strömen. Die steigen davon noch mehr und so bewegt sich das Hochwasser in Richtung Norden und Nordsee weiter.
Ich weiß nicht, wer es nachgemessen hat, aber in Niedersachsen soll mehr Fläche überschwemmt sein als nicht überschwemmt, zumindest zeitweise war das so und ich glaube es unbesehen. Schwiegerfamilie mit einem Bauernhof in der Uetzer Gegend schippt seit Tagen Wasser und hat es nun im Keller. Gute Bekannte mussten Weihnachten evakuiert werden, weil das Wasser kam und der Strom in der Straße abgestellt werden musste.
Wir haben unsere Wurzeln in Norddeutschland, Hamburg, Bremen, Oldenburg und Ammerland, überall ist Überschwemmung, gerade in den durch Moore geprägten Gebieten mit den vielen Stichkanälen. Aber auch hier in Hannover, wir müssen nur bis zu Stadtgrenze fahren, nach Isernhagen, nach Großburgwedel, in die Wedemark. Niedersächsische Seenplatte nennt das Herr Buddenbohm und da ist sie. Der Bundeskanzler war auch schon da, also weiter nördlich war er, in seinen schicki-Schlappen, das hätte Flutkanzler Schröder damals nie getan, der hatte Gummistiefel und war anpackend, tat zumindest so. Die Zeitung ätzt vorhersehbar. Frau Faeser war auch da, bedeutend praktischer angezogen und pragmatischer in den Entscheidungen. Überhaupt - Entscheidungen.
Wir fuhren nach Isernhagen zum Hufeisensee, in festen Tretern, ohne Gummistiefel. Die Sonne kam heraus, es regnete mal nicht, wir wollten einfach etwas laufen.
Der See war voll bis zum Anschlag, der Uferweg matschig und teilweise nicht begehbar. Westlich verläuft die Wietze, östlich der Wiesengraben, beide voll bis zum Anschlag, die Wiesen daneben eine Seenplatte für sich.
Wir überquerten die Landstraße und liefen einen Wirtschaftsweg entlang, entdeckten einen Fischreiher, dem gefiel das viele Wasser. Der Storch, den wir noch vor Weihnachten gesehen hatten, kam nicht. Vielleicht ist er ja doch noch gen Süden ... große Keile mit Graugänsen zogen über uns hinweg, Richtung Westen, etwas spät, oder?
Oh Petrus, das Timing für Hochwasser war schlecht, wirklich schlecht.
Oder war es Absicht, damit wir uns auf Mitmenschlichkeit besinnen? Denn das Gute bei all dem Wasser ist die Solidarität der Menschen, die sich gegenseitig helfen, die trotz Weihnachten und Feiertagen zusammenhalten, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Bundeswehr, ganz viele Privatleute, einfach geholfen und noch weiterhin. Das macht Mut für die Zukunft und das beginnende Jahr. Aber es gibt auch die unverbesserlichen Egoisten, die ihr Ding durchziehen, sich gefährden, andere gefährden, davon gibt es viel zu viele, die nur sich selbst und die eigenen Wünsche sehen und denen andere völlig egal sind. Ganz ehrlich, wer mit dem Boot, Kajak, Kite, Fahrrad oder mit dem Auto in die Überschwemmung fährt ... lasst ihn doch absaufen. Ach, das macht man nicht? Aber wenn sie es doch wollen ...
Und es regnet wieder.